Spiritualität und Sucht

Brauchen wir eine „höhere Macht“ zur Genesung? In dieser Hintergrund-Episode beschäftigen wir uns mit den Zusammenhängen zwischen Spiritualität und Sucht / Suchthilfe. Denn beispielsweise nicht wenige Suchthilfeprogramme, wie etwa bei den Narcotis Anonymous, beinhalten spirituelle Elemente.

Wir wagen erstmal einen Aufschlag zu diesem Thema, in dem Marc seine Erfahrungen und Erlebnisse während seines Ausstiegs schildert, und wollen uns in weiteren Hintergrund-Episoden mit Spiritualität beschäftigen. Dafür brauchen wir aber euer Feedback:
– Was bedeutet Spiritualität für euch?
– Wie hängt sie für euch mit Genesung / Heilung zusammen?
– Was würde euch in dem Themenfeld besonders interessieren?

Schreibt es uns gerne in die Kommentare – DANKE!

—–
Ein Beispiel: In der „Narcotics Anonymous“-Literatur gibt ein Buch mit täglichen Impulsen für die eigene Genesung:

Wer waren wir, und wer sind wir geworden? […]

Genesung heißt mehr als „in Ordnung bringen“ – es bedeutet, dass wir mehr Kraft bekommen. Wir haben mehr getan als nur ein paar schlechte Gewohnheiten abzulegen. Wir werden zu neuen Menschen, die von einer Höheren Macht geleitet werden.

Nur für heute: Die Führung, die ich brauche, um ein neuer Mensch zu werden, steht unmittelbar bereit. Heute werde ich mich weiter von meiner alten Orientierungslosigkeit entfernen und meiner Höheren Macht näher kommen.

(NA Basic Text, S. 106)

https://narcotics-anonymous.de/ 

https://narcotics-anonymous.de/artikel/nur-fuer-heute/

Fotovon Gift Habeshaw auf Unsplash

2 Kommentare
  1. Jelena sagte:

    Hallo,

    Ich habe heute euren Podcast entdeckt und finde ihn super spannend. Danke für eure Erzählberichte und die tolle Mischung aus Praxis und Therorieansätzen! Interessant fand ich vor allem eure Erfahrungsberichte bei systemischen Aufstellungen.

    Ich studiere in Marburg Soziale Arbeit und Praktische Theologie im 7. Semester und schreibe meine B.A. zum Thema Verhaltenssüchte. Ich war sehr überrascht, dass das Thema Spiritualität in dem Podcast vorkommt, weil es in psychologischen/therapeutischen Kreisen häufig ausgeklammert wird. Ich bin froh, dass das Thema innerhalb der letzten Jahrzehnte an Aufmerksamkeit gewonnen hat. Die Klinik Hohe Mark hat vor kurzem u.a. dazu geforscht und dazu das Konzept der „Verbundenheit“ von Martin Buber genutzt. Vielleicht wäre das auch ein interessanter Ansatz für eine weitere Folge? 🙂

    Zu euren Feedback-Fragen: Für mich persönlich bedeutet Spiritualität sehr viel, da ich als Christin an einen liebenden Gott glaube, der uns geschaffen hat und eine persönliche Beziehung mit uns Menschen leben möchte. „Verbundenheit“ heißt dann, mit Gott, mir selbst und anderen Menschen im Reinen zu sein und im Frieden/Liebe zu leben. Natürlich gehört da noch viel mehr dazu, aber für mich sind die 3 Beziehungsrichtungen eng miteinander verknüpft.

    In eigener Erfahrung (nicht mit stoffgebundener Abhängigkeit, aber z.B. mit essgestörtem Verhalten, „Sucht“ nach Aufmerksamkeit/Anerkennung sowie anderen destruktiven Gewohnheiten), kann ich sagen, dass für mich Spiritualität sehr zur Genesung beiträgt. Natürlich ist auch einiges kritisch zu sehen, gerade in christlichen Kreisen, wo manches Verhalten zum Teil stark verurteilt und moralisiert wird und es einem vielleicht schwerer macht, zuzugeben, dass man da ein Problem hat. Menschen sind eben nicht perfekt – egal ob religiös oder nicht. Daher kann ich gut verstehen, dass du, Dirk, an der Institution Kirche/Religion auch vieles kritisch siehst und es ist wichtig, darüber zu reden.

    Auf der anderen Seite ist es grade diese Sehnsucht nach mehr, die mich immer wieder zurück zu Gott bringt. Ich glaube, dass wir Menschen alle diese Sehnsucht haben – wir wollen anerkannt, geliebt, geborgen, etwas/jemand wichtiges sein, etwas bewirken usw. Dafür probieren wir alles mögliche aus, suchen in Beziehungen, Arbeit, Drogen, Sex, Besitz usw. Erfüllung, die uns (meines Erachtens nach) letztendlich nur Gott geben kann.
    Wenn ich als suchterkrankte Person also erlebe, dass ich auch ohne das Suchtmittel leben kann, weil es noch mehr gibt, etwas Höheres, das meine Sehn-süchte stillt und dem ich vertrauen kann (da es nicht nur auf mich selbst und meine Fähigkeiten ankommt), gibt mir das die Freiheit, die Sucht ein Stück weit loszulassen. Das meine ich nicht als Ursache-Wirkung-Prinzip, sondern eher reziprok, also eine Wechselwirkung. Mir ist bewusst, dass auch „nichtgläubige“ Menschen (eigentlich glaubt jeder irgendetwas, aber hier im Sinne von bewusst gelebter Spiritualität) von ihrer Sucht gesunden können. Das allein schließt aber ja nicht aus, dass daran doch eine höhere Macht beteiligt ist (da sie, wenn es sie gibt, vermutlich nicht von unseren menschlichen Bemühungen abhängig ist).
    Im christlichen Glauben schätze ich außerdem besonders die Kraft der Gnade und Vergebung, die gerade in Suchtproblematiken eine große Rolle spielt. Ich als Sozialarbeiterin sehe die Menschen nicht als Versager, sondern als geliebte Geschöpfe Gottes, die es wert sind, dass man sich ihrer annimmt und mit ihnen gemeinsam ihren Weg geht.

    So verbinde ich mit dem Thema Spiritualität und Sucht zusammengefasst (mindestens) 3 Aspekte: 1. In meinem eigenen Leben mit der Erfahrung, dass ich in Jesus Christus meine Identität immer wieder neu finde und dadurch Freiheit erleben darf (Prozesshaft). 2. In Erfahrungsberichten von suchtkranken Menschen, die von der Liebe Gottes berührt, verändert und geheilt worden sind. 3. In meiner eigenen Arbeit mit Menschen, bei der es letztlich nicht nur auf meine Fähigkeiten als Fachkraft ankommt und es eine Hoffnung gibt, wo alle Hoffnung verloren scheint.

    Zu eurer letzten Frage: Mich würde besonders ein Interview mit diversen Vertreter*innen interessieren, zum einen aus dem Kontext der morphischen Felder (habe ich in eurer Folge das erste Mal gehört), aber auch aus anderen Settings, wo Spiritualität in die Therapie bewusst einbezogen wird (oder zumindest eine Offenheit da ist), wie z.B. die Klinik Hohe Mark oder das Blaue Kreuz. Interessant wären auch weitere persönliche Erfahrungsberichte von Betroffenen zur Thematik. Zur weiteren Beschäftigung zum Thema Psychotherapie und Spiritualität kann ich außerdem Forschungen von Prof. Dr. Henning Freund empfehlen (Verhaltenstherapeut).
    Außerdem fände ich eine Folge zum Thema Sucht und Bindung interessant.

    So, das war super lang und vielleicht etwas wirr, ich hoffe das Feedback hilft euch. Von Herzen Danke und alles Gute für eure Arbeit!

    Jelena

    Antworten
    • Dirk Kratz sagte:

      Wow, herzlichen Dank, Jelena! Wir sind gerade in der Planung für die nächsten Schritte bei diesem Schwerpunkt, und da helfen deine Anregungen sehr weiter.

      Antworten

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